Tina von Jakubowski

Selfassists – wirkungsvoll Yoga unterrichten ohne Hands-On

Veröffentlicht von Tina von Jakubowski | 2. November 2020

Krieger 3 mit Yoga Selfassists am Becken

Covid-19 stellt die Klassenzimmer buchstäblich auf den Kopf – auch im Yogastudio. Anstelle von Kerzenschein beleuchten wir dieses Jahr Livestreams mit Filmlampen und anstelle von Energie-im-Raum-halten wird stoßgelüftet. In meinen Yogalehrerausbildungen habe ich gelernt und gelehrt, dass wir als Lehrer möglichst wenig Zeit selbst auf der Matte verbringen sollen. Indem wir als Yogalehrer durch den Raum gehen, bekommen wir ein Gefühl für die Gruppe und ihre Stimmungen und sind natürlich jederzeit da, um mit Berührungen zu unterstützen. Vor allem Letzteres ist durch die Corona-Hygieneschutzmaßnahmen inzwischen beinah undenkbar.

Hands-On fallen dieses Jahr aus

Doch auch wenn Nähe und Berührungen uns als Yogalehrer aktuell nicht als Hilfsmittel zur Verfügung stehen, muss die Qualität des Yogaunterrichts nicht leiden. Selbst in Onlineyogastunden, in denen wir nur ein kleines Bild unserer Schüler sehen, können wir mit einigen Tricks für eine gute anatomische Ausrichtung sorgen und somit das Verständnis von Yoga Asanas verbessern.

Yoga Selfassists

Hinter dem Wort „Selfassists“ verbirgt sich die Idee, dass der Schüler seine eigenen Hands-On ausführt und somit seine Haltung verbessert. Die Berührung des eigenen Körpers bietet ein Feedback über die Position des Körpers in der Asana. Für die meisten Selfassists braucht der Schüler kein anatomisches Vorwissen. Schon mit einfachen Anleitungen können die Asanas sauberer ausgeführt werden.

Dennoch seien zweierlei Nachteile der Selfassists hier bereits erwähnt. Zum einen kann es sein, dass ein Schüler sich unwohl damit fühlt sich selbst zu berühren. Daher empfiehlt es sich, die Selfassists an ganz neutralen und knöchernen Körperbereichen wie Beckenschaufeln und Schulterköpfen auszuführen. Zum anderen erfordern Selfassists, dass wir uns Stück für Stück in eine Asana hinein begeben. Somit dauert das Ausführen einer Position länger und eine Vinyasa Klasse kommt beispielsweise ins Stocken. Aus diesem Grund würde ich die Yogaschüler nicht mit angeleiteten Selfassists überladen. Wenn wir die Schüler bei drei bis fünf wichtigen Asanas pro Klasse ermutigen, sich selbst feiner auszurichten, kann dies schon sehr wirkungsvoll sein. Und oftmals trägt sich das Gelernte ja auch in weitere Asanas fort.

Wellness Assists – Beispiel Kindeshaltung

Manche Hands-On verbessern die Ausrichtung einer Position, andere Hands-On sind eher als wohltuende Unterstützung gemeint. Gerne bezeichne ich solche auch als „Wellness Assist“. Hierzu gehört zum Beispiel das Erden des Beckens in der Kindeshaltung. Diese rückenfreundliche Aktion kann man durch das Gewicht der eigenen Arme sehr gut nachahmen. Wie im Bild gezeigt, legt man hierfür die Hände nach hinten über den Rücken. Eine Hand kann das Handgelenk der anderen greifen und somit für ein leichtes Gewicht auf dem unteren Rücken sorgen.

Gibt man leichten Schub mit den Handgelenken nach hinten und unten, verlängert dieser Selfassist den unteren Rücken sehr angenehm. Dies eignet sich besonders nach Rückbeugen, bei Rückenschmerzen oder zum Ende der Yogaklasse hin.

Yoga Selfassists – Beispiel Beckenausrichtung

Low Lunge Yoga Selfassists mit Händen am Becken
Hände prüfen die gerade Ausrichtung des Beckens

Egal ob Schüler oder Lehrer – viele von uns haben immer wieder Schwierigkeiten damit, das Becken parallel auszurichten. Gerade in Standhaltungen, in denen ein Bein vorne und ein Bein hinten ist, fällt dies nicht leicht. Doch warum beharren eigentlich alle Lehrer so akribisch auf das „Leveln der Hüften“? Einer der Hauptgründe hierfür ist die Stabilität des Iliosakralgelenks (ISG). Diese kleinen Gelenke am Becken erlauben ein wenig Spielraum, der aber vermieden werden sollte. Steht das Becken schief, destabilisiert sich auch das ISG.

Ein weiterer Grund ist die Wirbelsäule. Steht bereits das Becken nicht gerade, ist eine Aufrichtung der Wirbelsäule im gewünschten Maße ebenfalls nicht mehr möglich. Für eine stabile und rückenschonende Haltung ist die Beckenausrichtung demnach sehr wichtig.

Üben Yogaschüler online zu Hause oder im Studio ohne Hands-On, können sie ganz leicht an die Beckenschaufeln greifen und überprüfen, ob diese auf einer Höhe sind. Ob nun im Low Lunge wie im Bild, im High Lunge oder im Krieger III (s. Beitragsbild), dieser Selfassist lässt sich sehr gut und einfach nutzen.

 

Yoga Selfassists – Beispiel Druck und Gegendruck

Wünschen wir uns, dass ein Schüler seine Muskulatur angemessener einsetzt, können wir mit Hilfe von Druck und Gegendruck genau das erreichen. Typisch ist hier auch wieder die Ausrichtung der Beinachse wie zum Beispiel im Krieger II. Fordern wir den Schüler auf, die Hand außen an den Oberschenkel zu legen und mit der Kraft des Beines Gegendruck zu leisten, müssen beispielsweise die Abduktoren gezielter arbeiten. Darüber hinaus wird das Knie daran gehindert, nach innen zu fallen.

Yoga Selfassists – Beispiel Schulterausrichtung

Am Ende vieler Yogaklassen findet sich der beinahe obligatorische liegende Twist. Je nach Beschaffenheit der Schultern kann es jedoch sein, dass die Schulter, die auf der gegenüberliegenden Seite der Beine liegt, in der Luft hängt. Das fühlt sich meist sehr unbequem an. Ein leichter Hebel des anderen Armes kann hier die Hilfestellung des Yogalehrers ersetzen. Winkelt man den besagten Arm auf ca. 90° an und drückt den Oberarm in den Boden, lässt sich der Oberkörper etwas mehr drehen und somit die hochstehende Schulter tiefer bringen (vgl. Bilder).

Neue Wege für guten Yogaunterricht

Ideen wie die Selfassists sind eine Möglichkeit, wie wir die Qualität des Yogaunterrichtens auch in der Corona Zeit unter Einschränkungen aufrecht erhalten können. Sicherlich findet jeder Yogalehrer für sich gerade neue Möglichkeiten, wie er seinen Schülern eine gute Zeit auf der Matte bereiten kann. Welche Alternativen zu Hands-On habt ihr als Lehrer bisher kennen und schätzen gelernt? Teilt eure Erfahrungen gerne mit uns.